An den Grenzen der Vorstellungskraft

Ein Interview mit Elffi

Ob Shinigami, Pirat oder orientalischer König – Janne, in der Szene als Elffi bekannt, ist während seiner achtjährigen Cosplay-Laufbahn bereits in die unterschiedlichsten Rollen geschlüpft. Nach zahlreichen Prämierungen seiner Kostüme auf skandinavischen Conventions und einer Teilnahme am World Cosplay Summit im Jahr 2011, ist der finnische Student einer der wenigen männlichen Cosplayer, die es zu weltweiter Bekanntheit gebracht haben. Die Cohaku-Redaktion sprach mit ihm über die Anfänge seiner Cosplay-Karriere, die Community im Ausland und Einhörner.

  1. Zu Beginn zwei häufig gestellte, aber grundlegende Fragen: Was hat dich dazu gebracht mit Cosplay zu beginnen und was motiviert dich, das Hobby weiter fortzuführen?

Es begann alles im Jahr 2004 als mein Cousin mich besuchte und wir gemeinsam den Film „Chihiros Reise ins Zauberland“ angeschaut haben. Ich habe mich sofort in die Musik, die Sprache und Atmosphäre des Films verliebt. Danach begann ich nach weiteren japanischen Filmen zu suchen und stieß nach einer Weile auf den Anime Bleach. Das war die Serie für mich. Mein erstes Kostüm war dementsprechend auch Ichigo Kurosaki. Ich habe es auf der AnimeCon 2006 in Finnland getragen. Dort habe ich sofort neue Freunde gefunden.

Ich stamme aus einer Künstlerfamilie. Mit meinen Händen zu arbeiten und Dinge zu erschaffen liegt mir also im Blut. Heute achte ich auch darauf, meinen Körper für Cosplay in Form zu halten. Das Beste an diesem Hobby ist für mich aber nach wie vor neue Cosplayer und Communities auf der ganzen Welt kennen zu lernen. Auch meine jetzige Freundin habe ich durch Cosplay kennen gelernt.

 

 

  1. Hattest du zu Beginn deiner Cosplay-Karriere Hilfe beim Herstellen deiner Kostüme oder hast du dir alles selbst bei gebracht? Auf welche Probleme bist du gestoßen und wie hast du sie gelöst?

Mein größtes Problem war zunächst meine Nähmaschine überhaupt zum Laufen zu bringen. Ich hatte schnell entschieden, dass ich etwas nähen wollte, allerdings hatte ich nicht den blassesten Schimmer wie ich dies tun sollte. Es hat mich einen ganzen Tag gekostet, bis ich den ersten Stich gesetzt hatte.

Selbstverständlich habe ich von Familie und Freunden Hilfe bekommen, gerade wenn es darum ging Schnittmuster zu entwickeln. Das meiste habe ich mir jedoch selbst beigebracht. Schon während meiner Grundschulzeit habe ich kleine Figurenarmeen gebastelt. Ich hatte damals sogar schon eine eigene kleine Kunstausstellung. Es fällt mir ziemlich leicht Techniken in den Cosplay-Herstellungsprozess einzubringen, die ich durch andere Hobbies erlernt habe. Hört auf euch an Regeln zu halten und schaut euch um! Alles was ihr seht, könnt ihr für Cosplay verwenden. Hört auf in Schubladen zu denken. Die einzige Grenze, die es gibt, ist eure Vorstellungskraft.

  1. Wenn man sich dein Portfolio anschaut, fällt schnell auf, dass du bereits Kostüme aus den verschiedensten Medien gefertigt hast und ein sehr talentierter Handwerker bist. Denkst du, dass du als Cosplayer eine Spezialität hast?

Ich liebe es Accessoires und Rüstungen zu bauen, aber ich denke dass es meine wirkliche Spezialität ist, Kostüme schnell zu durchdenken und herzustellen. Ich habe alle meiner Kostüme in drei bis zehn Tagen angefertigt. Ich habe das Gefühl, dass ich eine Art „Cosplay Modus“ Ein- bzw. Ausschalter besitze. Ist dieser erst einmal umgelegt, arbeite ich so lange an einem Kostüm, bis es fertig ist.

  1. Auf welches Kostüm oder Accessoires bist du am stolzesten? Erzähl uns ein bisschen darüber, wie du sie gefertigt hast und warum sie dir so wichtig sind.

Ich habe eigentlich kein Lieblingskostüm. Jedes hat seine kleinen Macken, aber ich mag alle wirklich sehr gerne.

  1. Wenn du dich für drei Worte entscheiden müsstest, die dich, deine Arbeit, deine Einstellung gegenüber Cosplay und deinen Stil beschreiben würden, welche würdest du wählen?

 

„Cosplay macht Spaß.“ Cosplay ist ein Hobby, also nehmt es nicht zu ernst. Wenn euch ein Hobby keine Freude mehr bereitet, solltet ihr darüber nachdenken es aufzugeben.

 

  1. Viele Cosplayer haben eine Lieblingsfigur, die sie seit ihrer Kindheit bewundert haben. Jetzt, da sie älter und erfahrenere Cosplayer sind, haben sie endlich die Möglichkeit die Kostüme dieser Charaktere nachzustellen und in deren Rolle zu schlüpfen. Hast auch du so eine Lieblingsfigur? Wenn ja, hat du das Cosplay zu dieser Figur bereits umgesetzt? Wenn nein, warum nicht?

Ich hatte eigentlich nie irgendwelche Lieblingsfiguren oder Vorbilder. Aber nachdem ich angefangen habe Bleach zu schauen, mochte ich Ichigo wirklich sehr gerne. Deshalb waren meine ersten drei Kostüme wohl auch verschiedene Outfits dieses Charakters. (lacht)

  1. Welchen Moment empfindest du bei der Herstellung eines neuen Kostümes als den lohnenswertesten?

 

Ich liebe die Momente, in denen ich bestimmte Arbeitsschritte eines Kostüms abschließen kann. Wie zum Beispiel: Die Rüstung ist fertig gebaut! Jetzt kann ich sie anmalen. Das fühlt sich echt super an!

  1. Wenn man die internationale Cosplay-Community betrachtet wird schnell klar, dass du als männlicher Cosplayer, zu einer Minderheit gehörst. (In Deutschland sind ca. 80% der Cosplayer weiblich, 20% männlich.) Denkst du, dass es einen dafpr Grund gibt, dass mehr Mädchen dieses Hobby betreiben? Und hast du ein paar ermutigende Worte für (zukünftige) männliche Cosplayer?

Das ist mir auch schon aufgefallen. Ich schätze, dass der weltweite Prozentsatz der weiblichen Cosplayer sogar 85% beträgt. Ich glaube das liegt vornehmlich daran, dass Nähen, sich mit Make-up beschäftigen und so zu tun, als ob man ein fiktiver Charakter ist, keine besonders spannende Aktivität für Jungen oder junge Männer darstellt. Trotzdem fällt mir auf, dass die Zahl der männlichen Cosplayer langsam steigt.

Den männlichen Cosplayern, die ich treffe, sage ich gerne: Wir sind die Einhörner der Cosplay-Welt! Darauf müssen wir stolz sein. Es gibt eine so große Zahl von männlichen Figuren, die nur darauf warten von uns gecosplayt zu werden und wir können unter ihnen frei auswählen! Ich finde, dass das ein großes Privileg ist.

  1. Du cosplayst jetzt seit acht Jahren. Welchen Rat würdest du deinem 18-jährigen Selbst geben, wenn du ins Jahr 2006 zurückreisen könntest?

 

Also ein Ratschlag fällt mir da nicht ein, aber ich würde mir vermutlich sagen: „Junge, du hast keine Ahnung worauf du dich einlässt!“

  1. In den vergangenen Jahren hattest du die Möglichkeit die ganze Welt zu bereisen und viele unterschiedliche Cosplay-Communities kennen zu lernen. Welche Community hat bei dir den größten Eindruck hinterlassen und warum?

Ich liebe alle Länder, die ich bisher bereisen durfte! Es macht unglaublich viel Spaß unterschiedliche Kulturen kennen zu lernen. Rumänien hat mich sehr beeindruckt. Es ist ein vergleichsweise armes Land, aber die gesamte Convention-Organisation dort verlief wirklich professionell. Cosplayer dort haben nicht so viel Geld für ihre Kostüme, aber sie wissen ihre Vorstellungskraft einzusetzen und sind wirklich kreativ wenn es darum geht, Materialien zu recyclen und einzusetzen. Und obwohl das Schulsystem dort nicht so modern ist, sprechen dort alle wirklich sehr gut Englisch. Die Cosplayer dort sind wirklich sehr freundlich. Außerdem habe ich dort einige der besten Speisen probieren dürfen, die ich jemals gegessen habe! Nom, nom!

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Fotograf: Senta "Midgard" Gohr | Model: Elffi | Shura (Ragnarok Online)
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